Intermuskuläre Koordination im Tennis

Praxistest mit Marc Senkbeil

Für die Handlungsschnelligkeit und reaktive Kraftfähigkeit im Tennis zählt zunächst das perfekte Zusammenspiel der Muskulatur. Schwerpunkt des vorbereitenden Trainings muss daher die exakte Bewegungsausführung und intermuskuläre Koordination sein. Die intermuskuläre Koordination steht für das Zusammenwirken verschiedener Muskeln (Agonist und Antagonist) bei einem spezifischen Bewegungsablauf. Dies kann mit Hilfe von Elastikband, Fitnessband und Expander Set optimal trainiert werden. Ziel des Trainings ist die Automatisierung neu erlernter Techniken sowie eine bessere Bewegungsökonomie.

 

Beim Training mit dem Expander, Elastikband oder Seilzug wird die Koordination nur verbessert, wenn die Übungsbewegungen zunächst mit wenig Belastung und unter genauer Kontrolle stattfinden. Anders als beim Training der Maximalkraft, steht bei der Arbeit mit Bändern nicht die Vergrößerung der Muskeln (Hypertrophie) im Vordergrund. Da beim Koordinationstraining generell zunächst die intermuskuläre Koordination verbessert wird, wird eine Hypertrophie erst bei einer Erhöhung der Intensität erzeugt. Auch bei der zweiten Form, der intramuskulären Koordination, wird kein oder wenig Muskelzuwachs erzeugt, bei gleichzeitig hohem und schnellem Kraftzuwachs. Diese Trainingsform eignet sich jedoch aufgrund der maximalen und submaximalen Belastungen bei geringer Dauer nur für erfahrene Sportler. Ein untrainierter Körper schafft es nicht, die hohe Anzahl an motorischen Einheiten in der Muskulatur gleichzeitig zu aktivieren. Generell gilt zu erwähnen, dass für spezifische Bewegungsabläufe zu starke Hypertrophie zu einer Hemmfunktion bei der Muskelkontraktion führen kann. Bei erhöhter Trainingsintensität ist demnach immer auch auf die Dehnfähigkeit zu achten. Eine freie Beweglichkeit ist die Voraussetzung dafür, dass Bewegungen ökonomisch und ohne Fehlbelastungen stattfinden können.

 

Übungen mit dem Elastikband

Mit Hilfe des Elastikbandes können sportartspezifische Bewegungsabläufe aus dem Tennis optimal nachgestellt werden. Durch die frei nutzbaren Hände in den Schlaufen kann sowohl ohne weitere Hilfsmittel als auch direkt mit dem Schläger trainiert werden. Das weiche Material lässt dabei um den Rücken umlaufende Übungsvarianten zu, so dass verschiedene Muskelgruppen angesprochen werden können.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang das Prinzip der Belastungsvariation. Demnach werden unterschiedliche Gelenkstellungen in unterschiedlichen Muskelfasern aktiviert. Für das Training mit dem Elastikband bedeutet dies, dass die Vorhand sowohl mit über den Rücken laufendem Band als auch vor dem Körper gehaltenem Band trainiert werden kann. Der Bewegungsablauf des Aufschlages kann ebenfalls mit Hilfe des Bandes von einer hinter der Hüfte fixierten Hand sowie einem am Rücken entlang laufenden Band bis hin zur zweiten Hand nachgestellt werden. Hierbei wird die obere Hand entsprechend dem Aufschlag nach oben und gleichzeitig nach vorne bewegt. Für die Rückhand bietet sich ein ebenfalls die über den Rücken laufende Variante an, bei der beide Hände in den Schlaufen und am Schlägergriff positioniert werden. Nun folgt der Bewegungsablauf der Rückhand unter Belastung durch die Spannung des Elastikbandes.

 

Erhöhung der Intensität

Um das Prinzip des trainingswirksamen Reizes bei der Arbeit mit Bändern nicht zu vernachlässigen, gibt es auch hier die Möglichkeit, die Intensität der Übungen zu erhöhen. Zum einen durch die verschiedenen Schlaufen beim Elastikband oder eine Verkürzung des Fitnessbandes. Alternativ dazu kann mit einer größeren Anzahl an Bändern gearbeitet werden. Weitere Möglichkeiten für eine gesteigerte Belastung ergeben sich durch unterschiedliche Reize wie veränderte Schritt- und Beinpositionen, Einbeinstand oder Übungen im Sitzen und Liegen. Zuletzt ist die Kombination mit Trainingsgeräten zur Erzeugung eines instabilen Untergrundes wie beispielsweise Balanceboard, Balancekissen oder Gymnastikball zu nennen.